Kunst. Lucian Freud im KHM.

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Painter Working, Reflection © The Lucian Freud Archive / The Bridgeman Art Library

Der Gedanke an eine Lucian Freud Ausstellung in Wien ist ja durchaus dazu angetan Bösartigkeit hervorzurufen: Man denkt sich, dass es Wien schon recht geschehe, dass es seine Freud Ausstellung erst nach dem Tod des Malers bekommt, und hält es für einen Skandal, dass von allen Wiener Museen offenbar nur das KHM – gerade das KHM! – im Stande ist, eine solche zu veranstalten. Aber das sind Gedanken, die es nur geben kann, wenn man sich gerade nicht in besagter Ausstellung aufhält.

Ist man nämlich einmal dort, gibt es nur noch Malerei; nicht das Denken an oder über Malerei, sondern die aus dem Körper fließende Kraft mit Farbe und Pinsel zu formen selbst. Diese Kraft fegt alles andere weg und man ist auf das zurückgeworfen, was an Freuds Kunst am wichtigsten ist: das Sehen. Es bleibt einem dann nichts Anderes übrig als zu schauen und schauend sich der Ruhe und der Gier des Sehens zu freuen, die Freuds Bilder auslösen.

Das KHM ist kein Museum für moderne Kunst: Die Wände sind dunkelgrau statt weiß und die Bilder werden nicht monolithisch in lockerer Hängung gezeigt, sondern eng zusammen wie auch sonst in der Gemäldegalerie. Die beinahe* chronologische Reihenfolge wirkt didaktisch steif, lenkt aber dadurch nicht ab. Das alles ist gut für einen unaufgeregten,aber eindrucksvollen Ausstellungsbesuch.

Spätestens mit dem Eintreten in den für die Sonderausstellung leergeräumten Saal der Gemäldegalerie ist man überzeugt, dass das KHM genau der richtige Ort für die Bilder Lucian Freuds sein kann. Dort hängen die riesigen Leinwände des Spätwerks, unter anderem mehrere Nacktportraits von Sue Tilley (in Freuds Œuvre besser bekannt als benefits supervisor) und Leigh Bowery, sowie das letzte Bild, an dem Freud gearbeitet hat und das unvollendet blieb. Sehr zu empfehlen sind auch die Videos: Freud, der sich für den Ankauf zweier Meisterwerke Tizians stark macht und Freuds letzter Arbeitstag gefilmt von seinem Assistenten David Dawson. Nicht zuletzt zeigt die Ausstellung auch wie groß der Wert des nicht mehr ganz neuen Adjunct Curator of Modern and Contemporary Art, Jasper Sharp, für das KHM ist.

 

Unbedingt anschauen!

 

* Streng chronologisch ist nur das Heft mit Begleittexten, das zur freien Entnahme aufliegt  eine gute Idee, auch wenn die Unterschiede zur Reihenfolge Hängung etwas störend sind. Das Heft ist auch ein nettes Souvenir.

 

Benefits Supervisor Sleeping, 1995 (oil on canvas)

Benefits Supervisor Sleeping © The Lucian Freud Archive / The Bridgeman Art Library

Two Japanese Wrestlers by a Sink, 1983-87 (oil on canvas)

Two Japanese Wrestlers by a Sink © The Lucian Freud Archive / The Bridgeman Art Library

Nude with Leg Up (Leigh Bowery)

Nude with Leg Up (Leigh Bowery) © The Lucian Freud Archive / The Bridgeman Art Library

 

Lucian Freud

Kunsthistorisches Museum
Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien
Die Ausstellung der 43 Werke läuft bis zum 6.1.2014.
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa und So 10:00 bis 18:00 Uhr, Do und Fr 10:00 bis 22:00 Uhr
Eintritt: regulär Euro 14,00
Katalog: Sabine Haag und Jasper Sharp, Prestl Verlag, 264 Seiten, Deutsch/Englisch, Euro 39,90

Parallel läuft im Sigmund Freud Museum eine Ausstellung von Photos, die David Dawson von dem kamerascheuen Lucian Freud gemacht hat: Lucian Freud Privat. Fotografien von David Dawson.

5sterne

 

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