Adlerhof, der mittlere Raum, Bild (c) kekinwien.at

Dashing beauty Adlerhof

Eine viel beachtete Eröffnung vor dem Shutdown durch die Corona Pandemie sei hier in Erinnerung gerufen, damit es gut weitergeht.
Im Februar 2020 sperrte der ausgesprochen instagrammable Adlerhof in der Wiener Burggasse auf …

vor der Eröffnung, mittlerer Bereich, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

vor der Eröffnung, mittlerer Bereich, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

 

Eine Legende wurde wiederbelebt

Gegeben hat es den Adlerhof als Wirtshaus – besonders beliebt zum Fußball schauen – gefühlt schon immer. Er war irgendwann in die Jahre gekommen, blieb durchaus legendär und vermutlich bist Du genau so oft wie ich achtlos daran vorbeigegangen. Die Betreiber des Wirr auf dem Yppenplatz und in der Burggasse, also Manuel Köpf und Andreas Knünz sind stehen geblieben und haben sich des Lokals in bester Lage angenommen. Nach eineinhalb Jahren Umbauzeit erstrahlt das multifunktionale Restaurant nun seit dem heurigen Valentinstag in neuem, besonders schönen Glanz.

Wir bleiben auch kurz stehen, halten inne und erinnern uns an den früheren Wirt des Adlerhofs.
Stefan Giczi, alias Herr Stefan, war seit 1978 Seele und Institution; er verstarb 2017.

 

beim Eingang links, Kaffeehaus, Bild (c) kekinwien.at

beim Eingang links, Kaffeehaus, am Ende des Tages, Bild (c) kekinwien.at

 

Insta-Spot reiht sich an Insta-Spot

„Wir waren die besten Kunden auf willhaben!“ scherzte die Architektin Laura Karasinski vom Wiener Atelier Karasinski beim Pressetermin. Sie kümmerte sich zusammen mit dem Team rund um Gerd Zehetner von Archiguards um die Neugestaltung der 300 Quadratmeter. Das Interior-Design wurde außerdem in Kooperation mit Artmüller Architekten erdacht. Man hat mit Respekt für Historisches und großer Liebe zu Vintage einen ausgesprochen hübschen Wohlfühlort geschaffen.

Ein paar innenarchitektonische Gustostückerl gefällig?

  • Die Wandvertäfelung und die Originaltapete im Eingangsbereich wurden wiederbelebt.
  • Die weiße Wendeltreppe im Bauch des neuen Adlerhofes befand sich ursprünglich einen Stock tiefer.
  • Das Stiegengeländer stammt aus einem Abbruchhaus, das einst Otto Wagner entworfen hatte.
  • Die Stühle sind eine Spezialanfertigung des Modells Thonet 218 von Thonet.
  • Die Tischgestelle im mittleren Raum folgen Entwürfen von Oswald Haerdtl.
  • Die historischen Leuchtkörper wurden gesucht und gesammelt, um dann mit moderner Technik ausgestattet zu werden.
  • Wer genau hinsieht, erkennt dort und da gehämmertes Blech, das als Material momentan eine große Renaissance erlebt.
  • Statt der Telefonzelle lädt ein öffentliches Regal zum Büchertausch ein.
  • Eine Plakatwand dient als Kommunikationsfläche für Grätzl-Events und -Konzerte, so wie man es von einem Beisl gewohnt ist.

 

Das "Hinterzimmer" im Adlerhof beim Pressetermin, Bild (c) kekinwien.at

Das „Hinterzimmer“ im Adlerhof beim Pressetermin, Bild (c) kekinwien.at

 

Alles in einem und eines für alle

Konzeptuell will der neue Adlerhof viel sein: Nahversorger, Bäckerei, Gasthaus, Restaurant, Kaffeehaus, Beisl und Bar sollen den werten Gästen an einem Ort in drei unterschiedlich gestalteten Bereichen geboten werden.

Der vordere Teil bietet sich für einen schnellen Kaffee an. An der Theke kann man sich überdies während des Tagesbetrieb mit frischem Brot und Gebäck von der Dürnsteiner Bäcker Schmidt versorgen so lange der Vorrat reicht. Die Original Wachauer Laberl (ohne Kümmel) eigen sich ausgezeichnet für ein Frühstück. Zum Mitnehmen gibt’s auch noch Kaiser Wasser aus den Dolomiten, Staud’s Marmeladen, Naber Kaffee, Bio-Eier von der Familie Grünstäudl aus dem Waldviertel, Bio-Frisch Milch, diverse Pflanzenmilchsorten, … abends will man hier dann in einen Barbetrieb switchen.

Der mittlere Raum erinnert mich ein wenig an den Wintergarten im Palais Auersberg. Er taugt sowohl zum Genuss von Kaffee und Kuchen, für ein großes Abendessen, einen kleinen Zwischendurchhappen und zum Tête-à-tête bei Schaumwein und Austern.

Das hintere Zimmer eignet sich gut für größere Gesellschaften und auch romantische Abende zu zweit: dunkles Grün in solider Gemütlichkeit. Mit dem Dimmen des Lichtes sollte man es aber dort nicht übertreiben, finde ich. Mein bevorzugter Teil des Lokals insgesamt – wenn der Tisch links zwischen erstem und zweitem Bereich nicht frei ist … soll heißen: In diesem Lokal kann jede/r einen Lieblingsplatz finden.

Wie bei der Oma oder von den 1980er Jahren ins Heute

 

Quinoa-Salat, Adlerhof, Bild (c) kekinwien,at

Quinoa-Salat, Testgericht beim Pressetermin, Bild (c) kekinwien,at

 

Kulinarisch wird leicht Verständliches geboten, das Tradition und Zeitgeist verbindet – wobei „Zeitgeist“ ist wohl auch schon ein antiquiertes Wort mittlerweile. Ein Signature Dish, das Knödeltrio verkörpert die Küchenlinie am besten: drei Knödel, also traditionelles Handwerk, einer mit Grammeln, einer mit Selchfleisch befüllt und einer vegan, dazu Kraut. Aussagekräftig diesbezüglich auch die Desserts: Salzburger Nockerl auf Beeren bzw. hausgemachte Nougatknödel mit Topfenteig in einer Panade aus weißem Sesam mit Zitronenzesten.

 

Knödeltrilogie, Originalteller, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

Knödeltrilogie, Originalteller, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

Knödel, eröffnet, Bild (c) kekinwien.at

Knödel, eröffnet, Originalteller, Bild (c) kekinwien.at

Knödel, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

Knödel, Verkostung beim Pressetermin, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

 

Wir waren vor der Eröffnung zum Pressetermin am 29. Jänner 2020 geladen. (Die Nassräume waren fast fertig, die eine oder andere Sitzbank noch nicht zur Gänze überzogen und auch die Speisekarte ein Entwurf. Ein charmantes Abenteuer.) Bei solchen „Showessen“ wird man natürlich ausgesprochen freundlich und umsichtig betreut. Es gilt  dabei Küchenlinie durch viele Kostproben möglichst umfassend abzubilden.

Aber wir wollen ja immer wissen, wie das Erlebnis als normaler Gast ist! Also haben wir am 21. Februar 2020 nochmals zu viert abends inkognito auf eigene Rechnung gegessen und getestet. (Über das laut Karte recht variantenreiche Frühstücksangebot, das man täglich bis 16.00 Uhr konsumieren kann, können wir nichts sagen. Den Frühstückerinnen hat’s sehr gut gefallen!)

 

Chioggia Rüben-Carpaccio, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

Chioggia Rüben-Carpaccio, Originalteller, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

 

Wir waren essen

Verkostet haben wir insgesamt folgende Gerichte von der ersten Speisekarte – die Fotos findest du weiter oben und unten bitte! Ja, wir waren sehr fleißig und haben das alles gegessen. Eine Erkenntnis: Frittierte Petersilie scheint die neue Kresse zu sein …

  • Bunter Quinoa-Salat um Euro 8,00
    Der bunte Salat aus getrocknete Tomaten, Stücken vom Butternusskürbis, mit Brunnenkresse und Quinoa-Chip war in Ordnung und ist eine gute fleischlose Alternative als Starter.
  • Goldbrasse-Ceviche um Euro 10,00
    Laut Karte: Ceviche, Ingwerconfit, Koriander, Thai-Chilli, Lemongrass, Croûtons. Für mich fehlte es eindeutig an Säure.
  • Chioggia Rüben-Carpaccio um Euro 8,00
    Die fotogene Rübe kommt mit karamellisierte Walnüssen,Grünkohl, Chicorée und Sherry-Essig: Schlicht, aber machte Freude. (Bild oben!)
  • Verhackertes von der Gans um Euro 9,00
    Cranberry-Zwiebel-Chutney, Orange, knuspriges Brot: üppig, herzhaft und an kühlem Tagen bzw. im Herbst gern wieder.
  • Blunzen & Rösti um Euro 16,00
    Blunzen, Rösti, Wachauer Laberl, Granny Smith Apfel, Babyspinat, Rösti, Kren: Alles hoch aufgetürmt, geschmacklich ansprechend durch bewährte Kombinationen von Aromen.
  • Wildterrine um Euro 9,00
    Mit Pistazien, Williamsbirnen-Kompott, Balsamico. Wie retro kann man sein? Ambitioniert – ich bin gespannt, wie oft dieses Gericht bestellt werden wird.
  • Knödel-Trilogie um Euro 14,00
    Sehr guter Erdäpfelknödelteig, gefüllt mit Grammel, Selchfleisch oder vegan (von Moving Mountains); bei den Füllungen waren wir uns nicht einig, welche am besten schmeckte. Beim Kraut hingegen könnte man leicht philosophisch werden: zu knackig, zu süß, zu grob, genau richtig, super? Schade, dass man die Knödel nicht sortenrein bestellen konnte.
  • Stuffed Aubergine um Euro 14,00
    Melanzani, Kichererbsen, Berglinsen, Kurkuma, Harissa, Lotuswurzel, Granatapfelreduktion. Recht einfach gemacht, aber gut – die Lotuswurzel hat den Teller für mich herausgerissen.
  • Chorizo Mais-Huhn um Euro 16,00
    Mit Polentacreme, Pecorino, knackigem Broccoli, schwarzem Knoblauch und Chorizo von der Pute: Zwei Mal probiert, zwei Mal überzeugt.
  • Heilbutt um Euro 17,00
    Laut Karte: Heilbutt im Butterbrotpapier, Fregola, Erdartischocke, Mangold, Heubutter, Zitrone. Dieses Gericht ist bei unserem „Dinner for Four“ leider schief gegangen: Der Fisch war von überschaubarer Größe und leider total übergart.
  • Frittierter Pulpo um Euro 17,00
    Mit Tomaten-Marmelade, Koriander, Safran-Aioli, eingelegten Zwiebeln und Fenchel. Beim Oktopus war beim Testessen noch Luft nach oben: ein wenig zäh und zum Teil trocken geriet das Meeresgetier. Im Ansatz fanden wir den Teller aber vielversprechend – da geht noch ‚was! Andererseit: Es muss nicht immer Pulpo sein …
  • Salzburger Nockerl um Euro 7,00
    Wann hast du zum letzten Mal Salzburger Nockerl gegessen? Eben. Sie erinnern an glückliche Sommer im Salzkammergut und können sich sehen lassen! Wir hatten damit sehr viel Spaß, auch beim Freilegen und Genießen des Beerenrösters.
  • Topfen-Nougat-Knödel um Euro 7,00
    Laut Karte „mit Sesambrösel“. Naschkatzen werden sich freuen! Die beigefügte Zitrusnote nimmt dem Teller die Schwere.

 

Blunzntürmchen, Bild (c) kekinwien.at

Blunzntürmchen, Originalteller, Bild (c) kekinwien.at

Auberginenschiff, Bild (c) kekinwien.at

Auberginenschiff, Originalteller, Bild (c) kekinwien.at

Heilbutt, noch eingepackt, Bild (c) kekinwien.at

Heilbutt, noch eingepackt, Bild (c) kekinwien.at

Heilbutt, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

Heilbutt, Originalteller, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

Chorizo Maishuhn, Originalteller, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

Chorizo Maishuhn, Originalteller, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

Oktopus beim Pressetermin, Bild (c) kekinwien.at

Oktopus beim Pressetermin, Bild (c) kekinwien.at

 

Die subjektive Wahrnehmung und der Adlerhof

Bei der Recherche bin ich auf einige negative Rezensionen sowohl auf tripadvisor als auch bei google gestoßen. (Dass der Pressetermin tadellos verlief, versteht sich von selbst.) Wir vier genossen bei unserem privaten Besuch einen bezaubernden Abend! Und dass die Servicekraft im Lauf einer langen Nacht eine Woche nach der Eröffnung etwas nachließ, hat uns nicht gestört. Auch dass man recht beengt saß im mittleren Raum, haben wir eher als „gemeinsam das Leben feiern“ empfunden und als Erleichterung zur Kontaktaufnahme mit den netten Menschen an den Nachbartischen. Doch das war alles vor der Pandemie und stellt sich heute sicherlich anders dar.

Unterm Strich entstand beim Lesen der Rezensionen (inklusive derer seit der Wiedereröffnung nach dem 15. Mai 2020) der Eindruck, dass der Adlerhof vom gewaltigen Ansturm an den ersten Wochenenden seines Bestehens überfordert war, die Preis teilweise als zu hoch empfunden werden und dass das Team immer noch nicht aus einem Guss agiert in Sachen Freundlichkeit. Wie gesagt: Bei uns hat alles gepasst.

Fazit: Ein ausnehmend hübsches Lokal mit vielen Funktionen für das Grätzl.

 

Salzburger Nockerl mit versteckten Qualitäten: Beerenröster inside, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

Salzburger Nockerl mit versteckten Qualitäten: Beerenröster inside, Adlerhof, Bild (c) kekinwien.at

 

 

Adlerhof

Burggasse 51, 1070 Wien
Tel.: +43 1 522 49 05
web: www.adlerhof.wien

Öffnungszeiten:

  • Lokal: täglich 6.30 Uhr bis 23.00 Uhr, ab 15. Juni 2020 bis 1.00 Uhr laut Pandemieverordung; ursprünglich bis 2.00 Uhr
  •  Bäckerei: ab 6.30 Uhr bis „ausverkauft“
  • Frühstück: täglich 8.00 bis 16.00 Uhr
  • Abendkarte: täglich 16.00 bis 23.00 Uhr

Restaurant, Kaffeehaus, Bar, Take Away, Greißler, Hofgarten und Schanigarten mit Industrial Design Möbeln

Keker Wien-Tipp: Der Adlerhof ist seit 1874 mit seinem siebenhöfigen Durchhaus eine Fußgänger-Passage, die Siebensterngasse No. 45 und Burggasse No. 51 verbindet.

Beitragsbild: Adlerhof, der mittlere Raum mit der geretteten Wendeltreppe, Bild (c) kekinwien.at:
Alle Bilder des Beitrags: (c) kekinwien.at. Ein besonderer Dank geht für einige Aufnahmen an Dr. Bettina Fischer-Schicklinger!

 

 

 

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