Beitragsbild: Oliver Mark, Natura Morta #05 © Oliver Mark, 2016

Natura Morta.

Der Tod und die Natur: Eine Ausstellung zur Ästhetik des Todes und zum Handel mit bedrohten Arten findet derzeit in der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste und im Naturhistorischen Museum statt.

 

Ausstellungsansicht 'Natura Morta. Photografien von Oliver Mark.' (c) NHM Wien, Kurt Kracher

Ausstellungsansicht ‚Natura Morta. Photografien von Oliver Mark.‘ (c) NHM Wien, Kurt Kracher

 

Es ist ein Projekt des deutschen Porträtfotografen Oliver Mark, der mit seinen Stillleben – die deutsche Entsprechung des lateinischen / italienischen ’natura morta‘ – konfiszierter, illegaler Waren aus bedrohten Tier- und Pflanzenarten auf das Problem dieses Handels aufmerksam macht und gleichzeitig mit der Inszenierung des Todes spielt. So setzt er die Objekte in ein besonderes Licht, das an altmeisterliche Feinmalerei erinnert. Die sehr kühlen, glatten Bilder in historischen Rahmen sollen durch Ästhetik die Blicke auf sich ziehen. Das tun sie – und haben dabei in ihrer gefühlslosen Glattheit etwas Fetischhaftes. Gleichzeitig ist es vor allem das jeweilige Setting, das sie interessant macht. Vielleicht liegt es auch an meiner Gehrichtung. Ich habe im Naturhistorischen begonnen und wurde so zuerst  mit den Bildern und Objekten konfrontiert, die dort in den passenden Schaukästen verteilt sind: Schlangenledertaschen bei den Riesenschlangen, ein Stillleben mit Potenzpräparaten bei den Tigern.

 

Ausstellungsansicht 'Natura Morta. Photografien von Oliver Mark.' (c) NHM Wien, Kurt Kracher

Ausstellungsansicht ‚Natura Morta. Photografien von Oliver Mark.‘ (c) NHM Wien, Kurt Kracher

 

Zusammen mit den ausgestopften Lebewesen ergibt sich ein unangenehmes Gefühl. Bereits bei den Tieren selbst ist mir ja immer etwas mulmig (dabei natürlich im vollen Bewusstsein, dass diese Ausstellung zur Forschung und Lehre sehr nützlich und wertvoll war und ist). Dennoch, es scheint, als wäre den Kreaturen die schützende Umwelt entzogen, als hätte ein Verrückter Ordnung geschaffen im geheimnisvollen Chaos der Natur und alle normalerweise verborgenen Wesen aufgedeckt und zueinander geordnet. Die Installationen aus Tieren und Fotografien verstärken den Eindruck menschlicher Perversion; etwas Lebendiges, Faszinierendes wird getötet, um etwas gänzlich Schamloses daraus zu machen. Was von einer ganzen Spezies bleibt, ist der kühle, tote Eindruck auf einem überästhetisierten Foto. Natura Morta.

 

Oliver Mark, Natura Morta #28 © Oliver Mark 2016

Oliver Mark, Natura Morta #28 © Oliver Mark 2016

 

Weniger lehrreich, dafür optisch eindrücklicher, ist der Ausstellungsteil in der Akademie. Im Vergleich mit historischen Stillleben und ihrem Interesse an Schönheit und Reichtum der Farben und Texturen, sind die Fotos wiederum unangenehm seltsam, was gerade auch durch die ähnliche Lichtführung und die historischen Rahmen augenscheinlich wird. Die Dinge auf ihnen sind toter, nackter, ausgelieferter als der toteste Vogel auf einem niederländischen Jagdstück es je sein kann. Die Wesen werden zur Ware – der optische Eindruck davon ist vollkommen.

Und ganz abgesehen von diesem spannenden und lehrreichen Projekt ist der Ausstellungsbesuch ein guter Anlass, wieder einmal die beiden Häuser zu erkunden, die viele andere, faszinierende Schätze, Zusammenhänge und jede Menge Schönheit bieten.

 

Peter Paul Rubens (Werkstatt), Säugende Tigerin, Öl auf Leinwand © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Peter Paul Rubens (Werkstatt), Säugende Tigerin, Öl auf Leinwand © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

 

 

 

Natura Morta

 

Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste
Schillerplatz 3, 1010 Wien
Tel.: +43 1 588162222
web: 
http://akademiegalerie.at/de/Ausstellungen/Ausstellungen%202017/Natura%20morta

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, Feiertag 10.00 – 18.00 Uhr
Eintritt: regulär 8 €, ermäßigt 5 €

Naturhistorisches Museum
Burgring 7, 1010 Wien
Tel.: +43 1 52177-0
web: http://www.nhm-wien.ac.at/naturamorta

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Montag 9.00 – 18.30 Uhr und Mittwoch 9.00 – 21.00 Uhr; Dienstag geschlossen
Einlass bis 30 Minuten vor Schließzeit.
Eintritt: regulär 10 €, ermäßigt 5 € bzw. 8 €

‚Natura Morta‘ läuft seit 27. April  und noch bis zum  16. Juli 2017!

(Beitragsbild: Oliver Mark, Natura Morta #05 © Oliver Mark, 2016)

 

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