SehenKunst. DURCHBLICK. Jenaer Glas, Bauhaus und die Küche als Labor.

Durchblick. Die aktuelle Ausstellung im Museum der PostsparkasseIm Wagner:Werk, dem Museum der Postsparkasse Wiens wurde kürzlich im Rahmen des Schwerpunktprogramms “Designgeschichte des 20. Jahrhunderts” eine Sonderausstellung mit oben genanntem Titel eröffnet.
Sie beschäftigt sich mit formschönen Küchen- und Serviergeschirr aus dem Jenaer Glaswerk.
Nicht allein, weil Otto Wagner das Haus, in dessen Kassensaal die Präsentation stattfindet, entworfen hat, lohnt sich der Besuch!

Radial angeordnete Schaukästen und große Stellwände vermitteln dem geneigten Betrachter bei freiem Eintritt moderne Produktkultur aus dem hitzebeständigen Jenaer Hauswirtschaftsglas sowie erklärende Begleittexte dazu.

In einer Vitrine ganz für sich allein thront die legendäre von Wilhelm Wagenfeld Mitte der 1930er Jahre entworfene, gläserne Teekanne.
Daneben sind beispielsweise die Sintrax-Kaffeemaschine von Gerhard Marcks (ca. 1928-1932) oder Ilse Dechos Backformen und Deckelschüsseln (1962 bis 1989) zu bewundern. Gerne bespricht man, woher man dieses oder jenes Stück kennt, oder wähnt es sogar im eigenen Besitz.

Wer möchte, kann Wissenswertes zur Firmengeschichte, über den Einfluss des Weimarer Bauhauses und den Vertrieb von Jenaer Glas in der Nachkriegszeit mitnehmen.

     

Heute gibt es kaum einen Haushalt, in dem sich nicht zumindest ein Gegenstand aus dem feuerfesten Material befindet. Aber damals! Nicht auszudenken, wie futuristisch dieses Geschirr auf seine Zeitgenossen gewirkt haben muss. Im Folder zur Ausstellung heißt es: “… mögliche Käufer stehen skeptisch vor dem undekorierten Glas, das mehr in ein Labor als in eine Küche zu gehören scheint. Erich Schott erkennt, dass so moderne Produkte nicht ohne Formgestaltung und Werbung erfolgreich verkauft werden können.”

Der wohl bekannteste Künstler, der für die Firma Schott tätig war, ist Lázló Moholy-Nagy. Er entwickelte eine umfassende Werbekampagne und gab von 1933 bis 1937 den Werbestil vor. Der Einsatz aller Werbemittel wurde von ihm konzipiert, Filme und Rundfunkwerbungen, sogar Schaufensterwettbewerbe und Kochvorführungen trugen seine Handschrift. Auch hierüber berichtet die Ausstellung ausführlich.

Wem das noch zu wenig ist, dem sei der zweisprachige (dt./engl.) Ausstellungskatalog ans Herz gelegt, mit reichlich Bildmaterial und weiterführenden Erläuterungen, erhältlich zum Preis von 29,00 Euro.

 
DURCHBLICK
 
Jena Glas, Bauhaus und die Küche als Labor. 
15.5. bis 18.8.2012
 
WAGNER:WERK – MUSEUM POSTSPARKASSE
Georg Coch-Platz 2, 1018 Wien 
website: http://www.ottowagner.com/sonderausstellung/aktuell/durchblick/ 
 
 
 
Öffnungzeiten: 
Mo bis Fr 9.00 – 17.00 Uhr
Sa 10.00 – 17.00 Uhr
Sonn- & Feiertage geschlossen 
 
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