EssenEssen. Auf dem Markt im Juli. Der Schrannenmarkt in Salzburg

 

Auf dem Mirabellplatz blüht in Salzburg regelmäßig ein kulinarisches Wunder auf. Ein Schauspiel mit höchstem Genusspotential, für das
man keine Eintrittskarte braucht: Die Schranne!

Die Schranne ist ein Wochenmarkt, den es seit etwa hundert Jahren gibt und manche StandlerInnen sind schon seit ihrer Kindheit mit dabei.
Sie kommen jeden Donnerstag (ist Feiertag am Mittwoch) im Morgengrauen um ihre 10 bis 40 m2 großen Stände (manchmal sogar doppelte) aufzubauen. Das dauert oft mehrere Stunden. Im Sommer werden es bis zu 200. Und um 13.00 Uhr ist alles schon wieder vorbei.

Wenn die Schranne im Winter auf ein paar Standln zusammenschrumpft, schwärmen auch von
den Kunden nur mehr die hartgesottenen Fanatiker aus. Ich (damit eine ebensolche) hab’s auch beim schlimmsten Salzburger-Regen noch nie bereut!

Hauptgegenstand der Schranne ist Essbares.
Viele Besucher kommen – das ist in Salzburg halt so – nur zum Schauen.
Lang stehen diese den eifrigen Einkäufern aber nicht im Weg, sondern gliedern sich unweigerlich
in die Menschentrauben um die Würstel und um dem ebenso beliebten Backhendlstand ein. Die sind aber nicht einmal aus Freilandhaltung, deshalb lasse ich das Federvieh links liegen und
stürze mich ins Gewühl um Obst und Gemüse, auf der rechten Seite, vor und hinter der Kirche. Hinten bei der Haydnstraße gibt’s dann noch mal besonders feine Früchte vom Baum und Beeren.

Bioqualität insgesamt ‘is a wengal ra’.
An Obst und Gemüse ist ‘die Feldinger’ und ein Stand im neuen ‘Bio-Herz’ des Marktes bei der Bio-Fahne zu nennen, sonst gibt’s noch da und dort ungespritztes Obst, ein bisserl biologisches Grünzeug bis hin zu Zitrusfrüchten bei kleineren StandlerInnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schranne ist der drittgrößte Markt Österreichs, nach dem Naschmarkt und dem Brunnenmarkt und es ‘würrlt’ besonders vor Feiertagen und jetzt zur Festspielzeit (siehe Schauer) sehr.
Wie auf den meisten Märkten ist es hier nicht billig und das bleibt das Einzige, was Supermärkte heute besser können. Die Preise sind vielmehr auf höherem Niveau, und wenn man nicht aufpasst, wird’s unverschämt. Aber dafür findet man Top-Qualität, von der man definitiv mehr hat, und Dinge an einem Ort versammelt, für die man sonst eine ganze Woche durchs Land und bis nach Paris-Rungis fahren müsste.

Viele Gemüsebauern kommen mit der eigenen Ware aus dem nahen salzburgerischen Wals. Händler bringen jetzt z.B. aus Niederösterreich Marillen (pro kg ca. 3,50 Euro), wegen des Frosts leider nicht die berühmten Wachauer. Aus der Steiermark kommen heuer schon sehr früh Heidelbeeren (der Liter ca. 9,00 Euro), Eierschwammerl (das kg ca. 13,00 Euro) und Steinpilze (pro kg ca. 24,00 Euro), in harter Konkurrenz zu den Lungauern und den Oberösterreichern! Eferdinger-Erdbeeren (OÖ) haben bis vor kurzen den Markt überschwemmt. Speziell Lochen,
nahe der Trummer-Seen, muss ein Loch für qualitativ hochwertige Lebensmittelproduktion und Handel sein. Auffallend viel kommt von dort, aber auch die Bayern bieten immer mehr, wie überhaupt die Schrannen-Vielfalt in den letzten Jahren zugenommen hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Salz in der Suppe sind zum Glück noch immer die “KistenstandlerInnen”, laut Marktamt um
die 40, die fast alle jede Woche auf ein paar Brettern und Kisten ihre Ware präsentieren, von selbst gemachtem Hollersaft, Kräuterschnaps, Butter, Gebackenem, bis zu gestrickten Socken.
Viele StandlerInnen und KundInnen kennen sich und es geht oft mehr ums “Ratschn” als darum, dass Ware über den Tisch geht. Mit offenen Ohren kann man auf diesem Marktplatz so manches erfahren, gerade etwa, wie die Probe einer Oper verlaufen ist oder wie man in die nächste kommt…

Wie beim Neujahrskonzert danken wir hier den GärtnerInnen und FloristInnen, aber besonders so manchen ‘KistenstandlerInnen’ für die schöne Blumendekoration des Schrannenmarkts.
Es gibt immer üppig blühend und grünende Stöckerl und Büsche aller Art, die ich gerne nach Hause nehmen würde. Aber die Taschen und Körbe sind nach der Runde um die Andräkirche und durch die Hubert-Sattler-Gasse wie immer schon schwer und übervoll.
Für Fisch, Fleisch, Brot und Käse treffen wir uns im August…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schranne

Salzburger Wochenmarkt
jeden Donnerstag (an Feiertagen am Mittwoch) von 5.00 bis 13.00 Uhr
am Mirabellplatz und in der Hubert-Sattler-Gasse
website: http://www.salzburgerschranne.at/

 

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