Coq au vin bei Heunisch und Erben - kekinwien.at

Heunisch und Erben hat auf der Landstraße Hauptstraße am 1. April 2017 aufgesperrt.

Kein Scherz. Wir waren schon da, weil hin und wieder ist nämlich Ostern und Weihnachten gleichzeitig. Das sollte man feiern …

Weil, wenn sich ein Weinfreak und Sammler, ein Restaurantleiter, ein Sommelier und ein genialer Koch zusammentun, dann ist das einfach höchst erfreulich. Die Rede ist von vom Pub Klemo mit angeschlossener Weinhandlung, der das neue Lokal mit einer Vielzahl an Köstlichkeiten aus seinem umfangreichen und allerbestens bestückten Keller versorgt. Er hat Tropfen, die bekommt man sonst nicht so leicht! Außerdem noch von Petr Hlinák als Restaurantleiter und weiters von Markus Gould als Sommelier.

Diese drei Inhaber haben sich einen keken Lieblingsköche ins Boot, also hinter den Herd geholt: Nämlich Peter Zinter, der nicht nur unsere Gaumen zuvor schon im Vincent, Motto am Floss, Charlie P’s, Slow Tacos und The Brickmakers  (letztere zusammen mit Brian Patton als Culinary Love Band) verzückt hatte.
Wenn die alle also gemeinsame Sache machen, dann muss das ja etwas werden, oder?

 

Heunisch und Erben, Soft Opening - Phase - kekinwien.at

Heunisch und Erben, Interieur, Soft Opening Phase – kekinwien.at

 

Räumlich und konzeptuell ist das große Ecklokal mit den attraktiven Rundbögen und den rund sechs Metern Raumhöhe eine Weinbar mit warmer Küche und Charcuterie, das ehemalige Sapori e delizie, beziehungsweise davor das Weinhaus Zeillinger bzw. das Gasthaus Ohrfandl – mit Fremdenzimmern im ersten Stock-, wer sich erinnert. Die kolportierten 50 Sitz- und Stehplätze sind auf 35 Sitzplätze und eine unbestimmbare Anzahl von Stehplätzen aufgeteilt derzeit.

Die Einrichtung ist klar und noch nicht rasend heimelig: Eichentische, grauer Stoff, Betonleuchten. Schon schön, aber da kann schon noch mehr Leben und Gemütlichkeit rein für mich. Hübsch sind die beiden Deckenobjekte aus leeren Weinkisten, und dass die Weinflaschen so prominent in Szene gesetzt werden. Muss man sich in ein paar Wochen nochmals ansehen …

Wie es ihm gefällt …

Gekocht wird von Zinter und seinem Team mittags und abends. Die Karte ist sehr klein gehalten mit acht bis neun Gerichten, dafür wechselt sie ein bis zwei Mal pro Woche. Das heißt man kann täglich herkommen, ohne dass einem langweilig wird. Und wenn man Gusto auf Kaltes hat oder den berühmten kleinen Hunger verspürt, gibt es ja die große Vitrine aus der einen allerlei Schinken und dergleichen anlachen.

Wir waren mittags da und jetzt Anfang April, in der Soft-Opening-Phase die einzigen essende Gäste. Die Küche ist schon voll auf Betriebstemperatur, nur dass da keine Irrtümer aufkommen! Man arbeitet derzeit wohl mit der alten Genehmigung vom Vorgängerlokal und sperrt nur von Dienstag bis Samstag bis 20.30 Uhr auf. Der täglicher Betrieb bis 2.00 Uhr ist in Planung! Heißt ja auch Weinb a r, das Ding.

Ich denke es werden noch ein paar Sitzplätze und Barhocker für die Stehtische im großzügigen Eingangsbereich folgen. Man kann sich direkt vorstellen wie Weinliebhaber sich hier mit Ausblick auf ein das raumhohe Weinregal tummeln werden. Sehr schöne Aussicht!
Was da Großartiges aus der Küche kommt, sollte nicht stehend verzehrt werden müssen, finde ich.

Das Motto von Heunisch und Erben: „this is hedonism zone“

 

Heunisch und Erben, Speisekarte vom 7. 4. 2017, mittags - kekinwien.at

Heunisch und Erben, Speisekarte vom 7. 4. 2017, mittags – kekinwien.at

 

Wir hatten:

  • Brot
    Sehr gut, aus der handgemachtem Kollektion vom Ströck, eine Sorte. Euro 2,50
  • Salat
    Ein als Wildkräuter angekündigter Salat, entpuppte sich als bunter Blattsalat, mit Österkron, Sardellen und Brotcroutons. Hübsch, gute Portion, aber Käse und Sardellen zusammen könnten manchem zu intensiv werden. Für explizite Fans vom Blauschimmelkäse. Euro 14,00
  • Schwein
    Das Vonatur Bio-Kleeschwein kam als Tartar. So hatte ich das noch nie und es war sehr gut! Die Pfefferoni gaben allem eine angenehm scharfe Note, rohe Champignons darüber gehobelt verliehen einen frischen Akzent zusammen mit ein paar Sprossen, nein, keine Brunnenkresse! Der Estragonsud aus dem Kännchen machte das Gericht pfiffig. Euro 13,50
  • Ei
    Eine Kindheitserinnerung, ein Klassiker der Hausmannskost wurde in diesem Gericht faszinierend neu interpretiert. Karfiol mit Brösel plus Spiegelei. Der Karfiol ist in Form von kleinen gekochte Röschen und roh darübergehobelt vertreten, die Brösel umschließen alles, genug wunderbare Nussbutter, im Zentrum das pochierte Ei. Und darüber, wieder gehobelt wie der beste aller Trüffel ein wenig Belper Knolle, was allem noch die unwiderstehliche Komponente Umami hinzufügt. Ein großartiges Eiergericht. Jubel! Euro 12,50
  • Huhn
    Quasi ein „Coq au vin deconstructed“ – siehe Beitragsbild! Zwei Streifen Brust mit knuspriger Haut, noch besser war aber das dunkle Stück. Wilder Brokkoli ist nicht nur hübsch anzusehen, süßes Zweibelpürree, sehr gelungen auch der Fonds, nett dazu der feine Erdäpfelflan. Sehr viel Witz ist auf diesem Teller!
  • Mäuse
    Gebackene natürlich, auch ein Klassiker der Hausmannskost. Zinter gibt ihnen mit dem Joghurt und dem Rhabarber die nötige Frische, die Himbeere ist retro und passt perfekt. Euro 8,50

 

Tagessalat bei Heunisch und Erben - kekinwien.at

Tagessalat bei Heunisch und Erben – kekinwien.at

 

Tartar vom Kleeschwein, Heunisch und Erben - kekinwien.at

Tartar vom Kleeschwein, Heunisch und Erben – kekinwien.at

 

Ei! Heunisch und Erben - kekinwien.at

Ei! Heunisch und Erben – kekinwien.at

 

Gebackene Mäuse bei Heunisch und Erben - kekinwien.at

Gebackene Mäuse bei Heunisch und Erben – kekinwien.at

 

Was soll ich sagen: Hier macht Essen richtig Spaß!

Zinter kocht mit großartigen Produkten großteils heimischer Herkunft. Aber nicht nur: Das Ei ist vom italienischer „Eier-Pabst“ Paolo Parisi und war bisher nur manchmal im Procacci auf der Karte und ist es gerade beim großartigen Stephan, Gastwirtschaft und Bar. Wer ihm auf Facebook folgt, weiß, dass der Haubenkoch gerade den Jagdschein gemacht hat, und man freut sich auf Wild auf dem Teller. Souchef Michael Gubik (ehemals Steirereck) ist sein kongenialer Partner.

„‚Unprätenziöses Service‘, erklärt Gould, wo es egal sei, ob man den Teller von rechts oder links gereicht bekommt.“ (die Presse). Unprätentiös mag ich schon, aber da sollte für mich geballte Kompetenz dahinter sein, sonst kann man sich Lässigkeit meinem Dafürhalten nach nicht leisten. Nur wenn ich die Regeln kenne, kann ich mich entscheiden sie zu brechen.

Die junge Dame, die uns betreut hat, war aufmerksam und freundlich. Aber weder Restaurantleiter, noch Sommelier haben sich mittags gezeigt, was in Sachen Weinbegleitung sehr schade war. Dabei hören ich einem guten Sommelier so gern zu, wenn er Passendes zu meinem Essen empfiehlt – und beschreibt. Schließlich hat man an die hundert Weine offen! Diese Kernkompetenz sollte man bei keinem Gast verschenken.

Fazit: Spannendes in den Gläsern und auf den Tellern. Weinbar – guter Plan!

 

 

Heunisch und Erben, Interieur - kekinwien.at

Heunisch und Erben, Interieur – kekinwien.at

 

 

Heunisch & Erben

Landstraßer Hauptstraße 17, 1030 Wien
Tel.: +43 1 286 85 63
E-mail: erben@heunisch.at
web: www.heunisch.at

Öffnungszeiten, derzeit: Di bis Sa 11.30 – 20.30 Uhr
Öffnungszeiten, geplant: Mo bis Sa 11.00 – 2.00 Uhr, So 17.00 – 24.00 Uhr

Nichtraucherlokal; Schanigarten soll folgen, wie man hört.

 

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